Das Wichtigste in Kürze
- Stinkwanzen sind Baumwanzen, die ab Ende September ein Winterquartier suchen, sobald es kälter als 9 °C und der Tag kürzer als 14 Stunden ist.
- Am häufigsten überwintern die eingeschleppte Marmorierte Baumwanze mit bis zu 1,7 cm Länge und die heimische Graue Gartenwanze in Häusern.
- Die Tiere stechen nicht, übertragen keine Krankheiten und legen im Haus keine Eier. Ihre Gelege kleben im Frühsommer draußen unter Blättern.
- Einzelne Wanzen fängst du mit Glas und Pappe, Ansammlungen im Rollladenkasten saugst du ab. Zerdrücken setzt das stinkende Sekret frei.
- Insektensprays braucht es laut Umweltbundesamt nicht. Wirksamer sind Fliegengitter ohne Lücken, dichte Fugen und ein dunkler Raum beim abendlichen Lüften.
- Ab etwa 10 °C verlassen die Wanzen ihr Versteck. Im Frühjahr fliegen sie zurück in Bäume und Büsche, sobald die Gehölze austreiben.

Welche Wanzen ins Haus kommen
Stinkwanze ist ein Sammelname. Gemeint sind die Baumwanzen (Pentatomidae), auch Schildwanzen genannt, die bei Gefahr ein übel riechendes Sekret absondern. Die Grüne Stinkwanze ist nur eine davon. Von den etwa 900 Wanzenarten, die das Umweltbundesamt für Deutschland zählt, tauchen im Herbst in Wohnungen immer wieder dieselben auf.
| Art | Größe | Färbung | Sicheres Merkmal | Im Haus |
|---|---|---|---|---|
| Marmorierte Baumwanze | bis 1,7 cm | braungrau marmoriert | vorn auf dem Rücken 4 bis 5 helle Punkte | häufig |
| Graue Gartenwanze | ähnlich groß | graubraun und fein gepunktet | Dorn an der Bauchseite | häufig |
| Grüne Stinkwanze | ähnlich groß | grün und ab Herbst braun | ohne helle Punkte | selten |
| Grüne Reiswanze | etwa 1,6 cm | grün und ab Herbst braun | 3 bis 5 helle Punkte vorn auf dem Rückenschild | selten |
| Amerikanische Kiefernwanze | knapp 2 cm | braun und schlank | blattartig verbreiterte Hinterbeine | im Oktober und November |
| Bettwanze | deutlich kleiner | rotbraun und flach | flugunfähig | nur im Schlafbereich |
Die Größen stammen aus dem Merkblatt Schädigende Wanzen im Gartenbau der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Die Marmorierte Baumwanze und die Graue Gartenwanze sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Sicher trennst du sie an der Unterseite: Die Gartenwanze ist dort schwarz gepunktet und hat einen Dorn, bei der Marmorierten Baumwanze ist der Bauch hell und ohne Punkte. Ein zweites Merkmal sitzt an den Fühlern. Das weiße Band reicht bei der Marmorierten Baumwanze über die Einschnürung zwischen den beiden letzten Gliedern, bei der Gartenwanze beginnt es erst dahinter.
Mit Bettwanzen hat keine dieser Arten etwas zu tun. Eine Wanze, die fliegt oder laut surrend gegen die Scheibe prallt, ist nie eine Bettwanze. Wie Bettwanzen aussehen und wo sie sich verstecken, steht im Überblick zu Bettwanzen.
Warum sie im Herbst ins Haus wollen
Baumwanzen überwintern als erwachsene Tiere. Den Startschuss geben zwei Reize zugleich: Temperaturen unter 9 °C und Tage, die kürzer als 14 Stunden sind. Deshalb beginnt die Suche nach einem Quartier in der Regel ab Ende September. So beschreibt es das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in seinem Merkblatt zur Marmorierten Baumwanze vom August 2026. Draußen verkriechen sich die Tiere unter Baumrinde und in Mauerritzen, am Haus in Fugen, Fensterrahmen, Rollladenkästen und auf dem Dachboden.
Für die Winterruhe brauchen die Wanzen ein kühles Versteck. Nach Angaben der Fachstelle Schädlingsprävention der Stadt Zürich überleben sie bei Zimmertemperatur nur wenige Tage. Das erklärt die toten Wanzen, die mitten im Winter auf der Fensterbank liegen. Sie sind in den geheizten Raum geraten und dort verendet.
Eine einzelne Wanze im Wohnzimmer zeigt dir, dass es irgendwo eine Lücke gibt. Infrage kommen ein gekipptes Fenster ohne Gitter, ein Spalt am Rollladen oder ein Riss im Fliegengitter. An warmen Wintertagen wachen die Tiere kurz auf, laufen an der Fassade entlang und finden so den Weg nach drinnen. Auch das beschreibt die Zürcher Fachstelle.
Was Stinkwanzen im Haus anrichten
Für Menschen und Haustiere sind Stinkwanzen ungefährlich. Sie sind keine Parasiten und übertragen keine Krankheiten, schreibt das Umweltbundesamt. Am Gebäude richten sie keinen Schaden an. Vorräte und Textilien lassen sie in Ruhe, weil sie sich von Pflanzensaft ernähren.
Vermehren können sie sich im Haus nicht. Die Marmorierte Baumwanze legt ihre Eier ab Mitte Mai im Freien, in Gelegen von meist 28 Stück auf der Unterseite von Blättern. Nördlich der Alpen entsteht pro Jahr eine Generation. Wer im Oktober zwanzig Wanzen im Schlafzimmer zählt, bekommt daraus also keine Plage, die bis zum Sommer anwächst.
Lästig ist das Sekret. Die Tiere geben es ab, wenn sie sich bedroht fühlen, also beim Zerdrücken, beim Anfassen oder wenn sie im Fensterrahmen eingeklemmt werden. Bei empfindlichen Menschen kann der Geruch Schnupfen oder gereizte Augen auslösen, und auf der Haut zerdrückte Wanzen hinterlassen manchmal eine gerötete Stelle. Beides beschreibt der Beratungsdienst der Penn State University. Gerät Sekret ins Auge, spülst du gründlich mit Wasser aus und lässt anhaltende Beschwerden ärztlich ansehen.
Ein Folgeschaden entsteht erst durch falsche Bekämpfung. Werden Wanzen in Wandhohlräumen oder auf dem Dachboden mit Insektiziden getötet, bleiben die Kadaver liegen. Davon ernähren sich Teppichkäfer, die danach an Wollsachen und Vorräte gehen.
Wanzen hinausbringen, ohne dass es stinkt
Für einzelne Tiere reicht die Methode, die auch das Umweltbundesamt empfiehlt: ein Glas darüberstülpen, eine Postkarte oder ein Stück Pappe darunterschieben und das Tier draußen freilassen. An einer senkrechten Scheibe klappt das am besten, wenn du das Glas unter die Wanze hältst und sie mit der Karte hineinschiebst.
Bei Ansammlungen ist der Staubsauger das schnellere Werkzeug. Viele Ratgeber raten davon ab, weil das Gerät danach riecht. Fachstellen wie die Stadt Zürich und die Beratungsdienste der Universitäten Penn State und Maryland empfehlen ihn trotzdem, gerade für Wanzen im Rollladenkasten. Der Geruch hält eine Weile an und verfliegt dann.
Hängst du einen alten Nylonstrumpf mit einem Gummiband ins Saugrohr, landen die Tiere gar nicht erst im Beutel. Den Strumpf ziehst du draußen ab und knotest ihn zu. Ich würde bei mehr als einer Handvoll Wanzen ohne Zögern zum Sauger greifen.
Heimische Arten wie die Graue Gartenwanze oder die Grüne Stinkwanze setzt du draußen aus, wo sie sich neu verstecken können. Wer sie schonen will, bringt sie in einen kühlen Schuppen oder in eine unbeheizte Garage. Bei der eingeschleppten Marmorierten Baumwanze hält die Zürcher Fachstelle es für sinnvoll, gesammelte Tiere zu töten, zum Beispiel im Gefrierfach. Begründet wird das damit, dass die Art nicht heimisch ist. Im Obst- und Gemüsebau richtet sie inzwischen erhebliche Schäden an.
Fenster, Fugen und Rollladen abdichten
Vorbeugen lohnt sich ab Anfang September, bevor die Tiere an der Fassade sitzen. Erwachsene Wanzen sind groß genug, um an jedem intakten Fliegengitter zu scheitern. Für Kulturschutznetze gegen die Marmorierte Baumwanze nennt das LTZ eine Maschenweite von 4 mal 2 Millimetern als wirksam. Übliche Fliegengitter für Fenster haben kleinere Maschen. Entscheidend ist deshalb, dass das Gitter ohne Spalt am Rahmen anliegt.
- Prüfe die Fliegengitter. Ein Riss oder ein abstehender Rand reicht als Einlass. Beschädigte Gitter ersetzt du, bevor die Wanzen kommen.
- Bewege die Rollläden. In Rollladenkästen sammeln sich die Tiere gern. Der Kanton Zürich empfiehlt, Rollläden und Jalousien zwischen Herbst und Frühjahr regelmäßig zu bewegen, damit die Wanzen herausfallen.
- Schließe die Fugen außen. Spalten zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk, an Kabel- und Rohrdurchführungen und an der Fassadenverkleidung dichtest du mit einem passenden Dichtstoff ab.
- Lüfte abends im Dunkeln. Licht lockt die Tiere an. Schalte das Licht aus, bevor du am Abend das Fenster öffnest.
- Schlepp nichts ein. Brennholz und Kübelpflanzen, die ins Haus umziehen, schaust du vorher ab. Mit Brennholz gelangt laut Umweltbundesamt zum Beispiel die Gemeine Bodenwanze ins Haus.
- Räum leere Balkonkästen ab. Sie bieten den Tieren ein Versteck direkt vor dem Fenster.
Klett-Fliegengitter für Fenster
Das Gitter wird ohne Bohren mit Klettband auf den Fensterrahmen geklebt und lässt sich auf Maß zuschneiden. Im Herbst hält es erwachsene Wanzen draußen, im Sommer Mücken und Fliegen.
Was Fallen, Duftöle und Sprays bringen
Lockstofffallen mit Pheromonen für die Marmorierte Baumwanze gibt es im Handel. Das LTZ stuft sie als Werkzeug zur Überwachung ein: Sie zeigen an, ob und wann Wanzen unterwegs sind. Zum Massenfang taugen sie nach Einschätzung des LTZ nicht. Ich halte sie am Wohnhaus deshalb für verschwendetes Geld.
Besser schnitt in einem Versuch der Virginia Tech eine selbst gebaute Lichtfalle ab. Sie besteht aus einer flachen Schale mit Wasser und etwas Spülmittel unter einer Lampe, aufgestellt in einem dunklen Raum. In den Testhäusern fing sie deutlich mehr Wanzen als gekaufte Fallen, vor allem im Spätwinter und Frühjahr, wenn aufgewachte Tiere zum Licht krabbeln. Das Seifenwasser tötet die Tiere.
Duftöle wie Nelke, Zitronengras oder Minze haben in Feldversuchen einer US-Forschungsgruppe um Zhang aus dem Jahr 2014 die Anlockung an Lockstofffallen fast vollständig unterdrückt. Ob sie ein Haus schützen, ist damit nicht gezeigt. Als Ergänzung zu Gitter und Dichtung kannst du sie ausprobieren. Die eigentliche Sperre bleibt das Gitter.
Insektensprays und Vernebler helfen hier wenig. Das Umweltbundesamt rät davon ab, Wanzen im Haus oder draußen mit Insektiziden zu bekämpfen, weil sie nicht schädlich sind. Ein Vernebler erwischt nur die Tiere, die gerade im Raum sitzen. Die nächsten kommen am folgenden sonnigen Tag durch dieselbe Lücke.
Was in der Praxis schiefgeht
In den Merkblättern der Fachstellen tauchen immer wieder dieselben Fehler auf. Fast alle entstehen aus dem Wunsch, das Problem an einem Nachmittag zu erledigen.
- Wanzen werden mit der Hand zerdrückt. Das Sekret haftet an Haut und Stoff. Wer empfindlich reagiert, bekommt eine gerötete Stelle.
- Gift landet in Hohlräumen. Die toten Wanzen bleiben in der Wand liegen und werden zum Futter für Teppichkäfer. Davor warnen die Universitäten Penn State und Maryland.
- Wanzen sollen in der warmen Wohnung überwintern. Wer die Tiere aus Rücksicht in Ruhe lässt, findet sie nach ein paar Tagen tot auf der Fensterbank. Der NABU Berlin rät stattdessen zu einem kühlen Schuppen oder Keller.
- Löcher im Gitter bleiben unbemerkt. Ein eingerissener Rand genügt, damit eine Wanze nach der anderen hereinkommt.
- Rollläden stehen den ganzen Winter still. Im Kasten sammeln sich dann viele Tiere, die im Frühjahr aufwachen und über das Fenster in die Wohnung wandern.
- Stinkwanzen werden für Bettwanzen gehalten. Wer nach dem ersten Fund einen Kammerjäger für Bettwanzen bestellt, bezahlt eine Behandlung, die hier nichts bewirkt.
Melden und Garten
Eine Meldepflicht gibt es nicht. Die Marmorierte Baumwanze ist laut LTZ kein Quarantäneschädling, weil sie sich nicht mehr ausrotten lässt. Stand September 2026 kommt sie in ganz Deutschland vor. Wer einen Fund trotzdem dokumentieren möchte, wendet sich mit einem Foto an den Pflanzenschutzdienst seines Bundeslandes.
Im Garten saugt die Art an Obst und Fruchtgemüse, unter anderem an Äpfeln, Birnen, Tomaten, Paprika und Bohnen. Stand September 2026 ist im Haus- und Kleingarten kein Pflanzenschutzmittel gegen die Marmorierte Baumwanze zugelassen. Helfen können Kulturschutznetze mit höchstens 4 mal 2 Millimetern Maschenweite, die vor dem Zuflug im Frühjahr bodendicht geschlossen sind. Dazu kommt das Absammeln der Eigelege von den Blattunterseiten. Die Samuraiwespe, ein aus Asien stammender Gegenspieler der Wanze, darf derzeit nicht ausgesetzt werden.
Häufige Fragen
Stinkwanzen legen ihre Eier im Freien ab und nie in der Wohnung. Die Marmorierte Baumwanze klebt ab Mitte Mai Gelege mit meist 28 Eiern auf Blattunterseiten, die Graue Gartenwanze legt ihre Eier überwiegend auf Äste. Findest du Eier in Matratzennähten oder in Ritzen am Bett, stammen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit von Bettwanzen.
Stinkwanzen fliegen gut und mit lautem Surren, meist über kurze Strecken. Im Herbst landen sie an Fassaden und Fenstern und kriechen in Ritzen und Rollladenkästen. An warmen Wintertagen und im Frühjahr wachen sie auf, laufen an der Hauswand entlang und gelangen durch offene Fenster in die Wohnung. Deshalb sitzen oft mehrere Tiere an derselben Scheibe.
Eine Pflicht zur Meldung besteht nicht, weil die Marmorierte Baumwanze kein Quarantäneschädling ist und bereits in ganz Deutschland vorkommt. Wer einen Fund dokumentieren möchte, schickt ein Foto an den Pflanzenschutzdienst seines Bundeslandes. In Baden-Württemberg ist das das LTZ Augustenberg, in Bayern die Landesanstalt für Landwirtschaft.
Unter den Wanzen, die in Wohnungen auftauchen, saugt nur die Bettwanze regelmäßig Blut am Menschen. Stinkwanzen besitzen zwar einen Saugrüssel, stechen damit aber ausschließlich Pflanzen an. Die Große Raubwanze, ein dunkelbrauner Insektenjäger, kann bei grobem Anfassen schmerzhaft stechen. Sie verirrt sich gelegentlich auf Dachböden und in Schuppen.