Ratten kommen fast immer über drei Wege ins Haus: durch defekte oder ungesicherte Kanalanschlüsse, durch Öffnungen ab etwa zwei Zentimetern in der Gebäudehülle und über ein Nahrungsangebot im Freien, das sie überhaupt erst anlockt. Alle drei lassen sich schließen, und genau darauf kommt es an – ohne diesen Schritt ersetzt jede gefangene Ratte sich selbst.
Wie groß eine Öffnung sein muss
Wanderratten erreichen laut Umweltbundesamt eine Kopf-Rumpf-Länge von 19 bis 30 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu 500 Gramm. Trotzdem passen sie durch erstaunlich kleine Öffnungen, weil der Schädel der begrenzende Faktor ist: Rund zwei Zentimeter genügen. Bei Mäusen liegt die Grenze bei etwa sechs Millimetern. Was der Bleistift-Test für Mäuse ist, ist der Daumen für Ratten.
Dazu kommt: Ratten nagen. Eine zu kleine Öffnung in Holz, Kunststoff, Bauschaum oder weichem Mörtel wird erweitert. Nur harte Materialien halten dauerhaft – Edelstahlgewebe, Lochblech, Beton, Metallmanschetten.
Weg 1: Das Kanalnetz
Der wichtigste Weg in Städte und Wohngebiete führt durch die Kanalisation. Ratten schwimmen und klettern gut und gelangen über defekte Hausanschlüsse, offene Revisionsschächte und selten benutzte Abläufe ins Gebäude. Klassische Schwachstellen sind Kellerabläufe ohne Rückstauverschluss, alte Steinzeugleitungen mit Rissen und Toiletten in wenig genutzten Kellerbädern.
- Selten genutzte Abläufe regelmäßig wässern, damit der Geruchsverschluss gefüllt bleibt und als Sperre wirkt.
- Revisionsschächte schließen und lose Deckel sichern.
- Bei wiederholtem Befall die Hausanschlussleitung prüfen lassen. Eine Kamerabefahrung findet Risse und offene Abzweige, die von außen unsichtbar sind.
- Nichts Organisches in die Toilette werfen. Essensreste im Abwasser sind eine direkte Einladung ins Netz unter deinem Haus.
Weg 2: Die Gebäudehülle
Geh einmal mit einer Taschenlampe um das Haus und dann durch den Keller. Du suchst nach Öffnungen ab Daumenbreite, nach Nagespuren an Holz und Dämmung und nach den dunklen Schmierspuren, die Ratten an Laufwegen hinterlassen. Die üblichen Fundstellen sind immer dieselben.
- Rohr- und Kabeldurchführungen in der Kellerwand, oft nur mit Schaum geschlossen.
- Lichtschächte ohne Abdeckung oder mit zu grobem Gitter.
- Der Spalt unter der Kellertür, gegen den eine Bürstendichtung nicht hilft, ein Metallabschluss aber schon.
- Unverschlossene Kriechkeller und Bodenluken.
- Lücken in der Fassadendämmung, besonders an Sockel und Anschlussfugen.
Schließe die Fundstellen mit Edelstahlwolle plus Mörtel oder mit Lochblech. Bauschaum allein ist keine Abdichtung, sondern eine Markierung, an der weitergenagt wird.
Material: was hält und was nicht
Beim Verschließen entscheidet das Material über die Haltbarkeit. Ratten nagen sich durch alles, was weicher ist als ihre Schneidezähne, und dazu gehören die meisten Baumarkt-Standardlösungen. Was funktioniert, ist eine kurze Liste: Edelstahlwolle, in die Öffnung gestopft und mit Mörtel oder Reparaturspachtel überzogen; verzinktes Lochblech oder Drahtgewebe mit maximal einem Zentimeter Maschenweite, sauber verschraubt; Metallmanschetten an Rohrdurchführungen; und bei größeren Löchern schlicht Beton.
Nicht geeignet sind Bauschaum, Silikon, Acryl, Klebeband, Holzleisten und Kunststoffgitter aus dem Gartenbedarf. Sie halten optisch dicht und sind nach ein paar Wochen wieder offen. Auch grobmaschige Lichtschachtabdeckungen gegen Laub bringen nichts – die Maschenweite muss so klein sein, dass kein Schädel durchpasst.
Arbeite dich nach Wahrscheinlichkeit vor statt nach Aufwand: erst die bodennahen Öffnungen im Keller, dann Lichtschächte und Türspalten, dann die Fassade weiter oben. Die meisten Zugänge liegen im ersten halben Meter über dem Erdreich.
Weg 3: Das Nahrungsangebot draußen
Ratten kommen dorthin, wo es zu fressen gibt. Solange die Quelle steht, ersetzen neue Tiere die entfernten. Das ist der Grund, warum Fallen allein selten reichen und warum Kommunen in ihren Satzungen Wert auf diesen Punkt legen.
- Kein Vogelfutter auf dem Boden, nur Säulenspender mit Auffangschale, im Sommer ganz weglassen.
- Kein Fleisch, Fisch und Gekochtes auf den Kompost, und wenn möglich einen geschlossenen Thermokomposter statt eines offenen Haufens.
- Fallobst regelmäßig aufsammeln.
- Tierfutter nicht dauerhaft draußen stehen lassen, auch nicht für Katzen und Igel.
- Mülltonnen geschlossen halten und Säcke nicht daneben stapeln.
Der Rundgang: eine Stunde, die sich lohnt
Nimm dir eine Taschenlampe und geh das Haus systematisch ab, außen im Uhrzeigersinn und innen von unten nach oben. Notiere jede Stelle, an der du eine Öffnung ab Daumenbreite, Nagespuren oder dunkle Schmierspuren findest. Fotografiere sie – das erleichtert später die Materialbeschaffung und die Absprache mit Hausverwaltung oder Fachfirma.
- Außen unten: Sockel, Lichtschächte, Kellerfenster, Kellertür, Rohrdurchführungen, Anschlussfugen der Dämmung.
- Außen oben: Regenfallrohre ohne Gitter, Traufkante, offene Dachüberstände. Ratten klettern besser, als die meisten annehmen.
- Grundstück: Komposter, Vogelfutterstelle, Mülltonnenplatz, Holzstapel, Schuppen mit Sackware.
- Keller: Bodenabläufe, Revisionsschacht, Waschküche, Zählerschacht, Kriechkeller.
- Innen: Rückwände von Einbauküche und Waschmaschinenanschluss, Installationsschächte, Zwischendecken.
Wann du die Fachfirma holst
Bei einzelnen Tieren im Gartenschuppen kommst du mit Abdichten, Nahrungsentzug und Schlagfallen weit. Bei einem größeren Befall rät das Umweltbundesamt ausdrücklich dazu, das örtliche Gesundheitsamt oder einen professionellen Schädlingsbekämpfer einzuschalten. Ein größerer Befall zeigt sich daran, dass du mehrere Baueingänge findest, dass Kot an verschiedenen Stellen gleichzeitig nachkommt oder dass du Tiere auch am Tag siehst – Letzteres deutet auf Platzmangel im Bau hin.
Ebenfalls ein Fall für den Profi: der Verdacht auf einen defekten Kanalanschluss. Dessen Prüfung und Sanierung ist Sache eines Fachbetriebs, und ohne sie kehrt der Befall verlässlich zurück. Was ein Einsatz kostet, steht in Kammerjäger Kosten; im Mietverhältnis trägt die Kosten in aller Regel der Vermieter.
Warum Gift nicht der erste Schritt ist
Die meisten Rodentizide enthalten blutgerinnungshemmende Wirkstoffe, sogenannte Antikoagulanzien; die Tiere verbluten innerlich. Das Umweltbundesamt empfiehlt, vor dem Einsatz solcher Mittel nichtchemische Verfahren wie Fallen zu prüfen. Für die Anwendung gilt außerdem eine klare Regel: Das offene Auslegen von Antikoagulanzien-Ködern ohne Köderstation ist grundsätzlich verboten – ohne Station dürfen nur geschulte Anwender wie ausgebildete Schädlingsbekämpfer arbeiten.
Dahinter steht ein echtes Risiko: Ein vergiftetes Tier wird von Katze, Fuchs oder Greifvogel gefressen, der Wirkstoff wandert weiter. Fallen und konsequentes Abdichten haben dieses Problem nicht. Welche Fallen erlaubt sind und wie du sie einsetzt, steht in Ratten bekämpfen.
Was du zuerst tust
Bestätige zunächst den Befund über Kot und Schmierspuren – die Merkmale stehen in Rattenkot erkennen. Kläre dann, ob deine Kommune eine Meldepflicht kennt, siehe Rattenmeldepflicht, und informiere im Mietverhältnis den Vermieter. Erst danach folgen Abdichten, Nahrungsentzug und Bekämpfung, in dieser Reihenfolge.
Schlagfalle für Ratten
Große Schlagfalle aus Buchenholz für Keller, Garage und Schuppen. Stell sie entlang der Wand auf: Dort laufen Ratten, offene Flächen meiden sie.
Übersicht: Diese Seite gehört zum Ratgeber Schädlinge an Haus und Grundstück – dort stehen alle Arten von Dach bis Garten.