Mottenlöcher im Pullover

Ein Mottenloch im Pullover ist kein Grund, das Stück wegzuwerfen: Löcher bis etwa Erbsengröße lassen sich mit Stopfstich oder Nadelfilzen so schließen, dass sie kaum auffallen. Wichtiger als die Reparatur ist aber die Reihenfolge – erst die Larven abtöten, dann flicken. Wer zuerst näht, hat in vier Wochen ein neues Loch daneben.

Ist es überhaupt ein Mottenloch?

Nicht jedes Loch stammt von Motten. Mottenfraß erzeugt unregelmäßig geformte Löcher mit ausgefransten Rändern, oft mehrere dicht beieinander, und typischerweise an Stellen mit Deckung: unter dem Kragen, in der Achsel, an Bundfalten, an der Innenseite des Ärmels. Häufig findest du in der Nähe feine Gespinstfäden und sandartigen Kot in der Farbe des Stoffs.

  • Abrieb erzeugt eine dünner werdende Stelle mit fließendem Übergang, kein scharf begrenztes Loch – typisch an Ellenbogen und Gesäßtaschen.
  • Ein Riss läuft entlang der Maschen und hat glatte Ränder.
  • Pelzkäfer und Teppichkäfer hinterlassen ähnliche Löcher, dazu aber kleine, borstige Larvenhäute statt weicher Gespinströhren.
  • Kleidermotten gehen ausschließlich an Keratin: Wolle, Haare, Federn. Ein Loch im reinen Baumwoll-T-Shirt stammt nicht von ihnen.

Wie du Eier, Larven und Falter sicher zuordnest, steht ausführlich in Kleidermotten Eier und Larven erkennen. Für Federn und Pelz gibt es eine eigene Seite: Pelzmotte bekämpfen.

Schritt 1: Erst behandeln, dann reparieren

Bevor Nadel und Faden zum Einsatz kommen, muss das Stück larvenfrei sein. Was 60 °C verträgt, kommt in die Maschine. Alles andere – und das ist bei Wolle und Kaschmir der Regelfall – wird eingefroren: Nach Angaben des Umweltbundesamts braucht es dafür mindestens minus 19 °C über mindestens 36 Stunden.

Pack das Stück luftdicht ein, leg es flach ins Gefrierfach und lass es nach der Zeit im Beutel auf Raumtemperatur kommen, bevor du es öffnest – so bildet sich kein Kondenswasser in der Faser. Danach gründlich ausschütteln und mit einer weichen Bürste ausbürsten: Das entfernt Kot, Gespinstreste und lose Fasern rund um das Loch, was die Reparatur deutlich einfacher macht.

Material und Werkzeug

Viel brauchst du nicht, aber das Wenige sollte passen. Der wichtigste Punkt ist das Garn: Es muss in Stärke und Material zum Gestrick passen, sonst zieht die reparierte Stelle beim Waschen anders ein als der Rest. Baumwollgarn in einem Wollpullover ist der häufigste Fehler – es schrumpft nicht mit und wirft nach der ersten Wäsche eine sichtbare Delle.

  • Garn oder Filzwolle im gleichen Material und möglichst gleichen Farbton. Bei mehrfarbigem Garn die dominierende Farbe nehmen.
  • Stumpfe Wollnadel zum Stopfen, sie schiebt die Maschen beiseite, statt sie zu durchstechen.
  • Filznadel und Unterlage, wenn du filzen willst. Die Nadeln sind mit Widerhaken versehen und brechen leicht – kauf gleich mehrere.
  • Stopfpilz, Glas oder Tennisball als Unterlage, damit der Stoff gespannt liegt.
  • Gutes Licht, am besten Tageslicht. Farbtöne bei Kunstlicht auszuwählen führt regelmäßig daneben.

Ein Tipp zum Garn: Viele Strickteile haben in der Innennaht eine Fadenreserve, oder du kannst aus einer nach innen liegenden Naht ein Stück Faden herauslösen. Das ergibt den perfekten Farbton, den kein Zukauf trifft.

Schritt 2: Kleine Löcher stopfen

Für Löcher bis etwa fünf Millimeter reicht der klassische Stopfstich. Du brauchst Garn in der Stärke und Farbe des Gestricks – idealerweise vom Original, etwa aus der Nahtzugabe oder dem Ersatzfaden, der manchen Pullovern beiliegt – sowie eine stumpfe Wollnadel und einen Stopfpilz oder alternativ ein Glas als Unterlage.

  • Unterlage einlegen, damit du nicht versehentlich die Rückseite mitfasst und der Stoff gespannt liegt.
  • Erst Längsfäden legen, etwa einen Zentimeter über den Lochrand hinaus, dicht an dicht und ohne zu ziehen.
  • Dann quer einweben, abwechselnd über und unter den Längsfäden. So entsteht ein Gewebe statt eines Knotens.
  • Nicht anziehen. Die Spannung muss der des Gestricks entsprechen, sonst zieht sich die Stelle zusammen und fällt mehr auf als das Loch.
  • Fadenenden auf der Innenseite verstechen, nicht verknoten – Knoten drücken und lösen sich beim Waschen.

Schritt 3: Größere Löcher nadelfilzen

Ab Erbsengröße wird Stopfen sichtbar. Bei Wolle und Kaschmir ist Nadelfilzen dann die unauffälligere Lösung: Du legst ein Büschel Filzwolle in passender Farbe über das Loch, schiebst eine Filzunterlage darunter und stichst mit einer Filznadel senkrecht ein, bis sich die Fasern mit dem Gestrick verhaken. Das Ergebnis ist elastisch und lässt sich mitwaschen.

Übe an einer unauffälligen Stelle, bevor du am Loch anfängst – etwa an der Innenseite des Bunds. Beim Nadelfilzen entscheidet die Menge der Wolle über das Ergebnis, und dafür braucht es ein Gefühl, das nach zehn Minuten da ist. Arbeite von außen nach innen und in kleinen Schritten – zu viel Filzwolle erzeugt eine harte, sichtbare Stelle. Bei Löchern in dünnem, glattem Strick funktioniert das schlechter; dort ist ein aufgebügelter Flicken auf der Innenseite plus feiner Stopfstich außen die bessere Wahl. Und wenn es an sichtbarer Stelle ist: Ein bewusst kontrastfarbener Stopf in Sichtbarer-Reparatur-Optik fällt weniger auf als ein schlecht getroffener Farbton.

Wasch das reparierte Stück erst nach ein bis zwei Wochen wieder, damit sich die neuen Fasern setzen können. Und markiere dir die Stelle gedanklich: Taucht dort oder direkt daneben ein zweites Loch auf, sitzt im Schrank noch etwas, und die Räumaktion steht erneut an.

Wann sich die Reparatur nicht mehr lohnt

Irgendwann übersteigt der Aufwand den Wert des Stücks, und das ist keine Niederlage. Bei vielen Löchern auf kleiner Fläche, bei großflächig dünn gefressenen Stellen oder wenn das Gestrick beim Ziehen weiter aufgeht, ist die Grenze erreicht. Wirf das Stück dann nicht einfach in den Schrank zurück und nicht in die Altkleidersammlung, sondern entsorge es verschlossen im Restmüll oder friere es vorher durch – sonst wanderten Eier mit.

Und behandle in jedem Fall den Rest des Schranks. Ein Loch ist ein Symptom, nicht der Befall: Die Larve, die es gefressen hat, hat sich anderswo verpuppt. Die vollständige Reihenfolge steht in Motten im Kleiderschrank entfernen, die Vorbeugung danach in Kleidermotten vorbeugen.

Übersicht: Diese Seite gehört zum Ratgeber Feuchtigkeit und Schädlinge – dort steht, welche Arten auf zu feuchte Räume hinweisen.

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