Motten im Kleiderschrank wirst du in sechs Schritten los: ausräumen, sortieren, Textilien bei 60 °C waschen oder bei mindestens minus 19 °C für 36 Stunden einfrieren, den leeren Schrank aussaugen und auswischen, Pheromonfallen zur Kontrolle aufhängen und nach vier Wochen nachprüfen. Der Aufwand steckt im Sortieren, nicht in der Behandlung – und Abkürzungen an dieser Stelle sind der Grund, warum ein Befall zurückkommt.
Schritt 1: Komplett ausräumen
Halbe Sachen funktionieren hier nicht. Nimm alles heraus, auch Bettwäsche, Wolldecken, Kleidersäcke und die Kiste ganz oben. Der Grund ist die Lebensweise der Larven: Sie wandern vor der Verpuppung mehrere Meter weit und verpuppen sich dann in Ritzen, an Regalkanten und an den Enden der Kleiderstange – also nicht dort, wo sie gefressen haben.
Leg die Sachen nicht aufs Bett, sondern in Säcke oder Kisten, die du kennzeichnest: befallen, verdächtig, unauffällig. Wer alles auf einen Haufen legt, verteilt Eier auf bisher freie Stücke und beginnt in vier Wochen von vorn.
Schritt 2: Sortieren nach Material
Kleidermottenlarven fressen nur keratinhaltige Materialien – Wolle, Haare, Federn –, pflanzliche Fasern lassen sie stehen. Reine Baumwolle, Leinen und Kunstfaser kannst du also normal zurückräumen, wenn sie sauber sind. Konzentriere die Behandlung auf Wolle, Kaschmir, Seide mit Wollanteil, Filz, Pelz, Federn und Mischgewebe.
- Befallen: Gespinströhren, Fraßlöcher oder Larven sichtbar – wird auf jeden Fall behandelt.
- Verdächtig: keratinhaltig und im selben Fach gelagert – wird ebenfalls behandelt, auch ohne sichtbare Spur.
- Unauffällig: rein pflanzliche Faser oder Kunstfaser – waschen reicht, keine Sonderbehandlung.
Schritt 3: Waschen oder einfrieren
Was 60 °C verträgt, kommt in die Maschine. Für alles andere – also für den größten Teil der Wollsachen – bleibt die Kälte. Das Umweltbundesamt nennt dafür klare Werte: mindestens minus 19 °C über mindestens 36 Stunden. Ein normales Gefrierfach mit Vier-Sterne-Fach erreicht das, ein Kühlschrankfrosterfach nicht zuverlässig.
- Luftdicht verpacken, damit sich beim Auftauen kein Kondenswasser im Stoff niederschlägt.
- Flach und einzeln legen, nicht als dicken Stapel – der Kern eines Ballens braucht sonst länger als das Fach kalt ist.
- Vor dem Auspacken auf Raumtemperatur kommen lassen, dann ausschütteln und ausbürsten.
- Sonnenlicht nutzen, wo möglich: Es tötet Eier und Larven ebenfalls ab. Ein Tag auf dem Balkon plus Ausbürsten ergänzt die Kältebehandlung gut.
Schritt 4: Den leeren Schrank behandeln
Jetzt kommt der Teil, den die meisten zu schnell erledigen. Sauge den leeren Schrank vollständig aus, mit Fugendüse in jede Ritze, entlang der Regalkanten, in die Bohrlöcher der Regalböden und in die Enden der Kleiderstange. Dort sitzen die Puppen. Entsorge den Staubsaugerbeutel danach draußen im verschlossenen Beutel.
Ein Detail lohnt die Mühe: Zieh die Regalböden heraus, wenn sie sich lösen lassen, und sauge auch die Auflager und die Rückwandfuge dahinter aus. Das ist der Ort, an dem nach einer sonst sauberen Aktion am häufigsten noch eine Puppe sitzt. Wisch anschließend mit Essigwasser aus und lass den Schrank offen trocknen. Auf Insektizidsprays im Schrank kannst du verzichten: Sie erreichen die Puppen in den Ritzen kaum, hinterlassen aber Rückstände auf Textilien, die du danach direkt auf der Haut trägst.
Was du dir sparen kannst
- Den Falter jagen. Die erwachsene Motte frisst nicht mehr; wenn du sie siehst, liegen die Eier längst im Stoff. Erschlagen beruhigt, löst aber nichts.
- Nur das eine Loch-Stück behandeln. Larven wandern vor der Verpuppung durch den ganzen Schrank, die Nachbarstücke gehören mit dazu.
- Duftsäckchen als Bekämpfung. Lavendel und Zedernholz können Falter vertreiben, an vorhandene Larven und Eier kommen sie nicht heran.
- Kurz in den Froster legen. Zwei Stunden bringen nichts. Unter minus 19 °C und mindestens 36 Stunden ist die Bedingung, nicht die Empfehlung.
- Waschen bei 30 °C. Wolle verträgt oft keine 60 °C – dann ist Einfrieren der Weg, nicht ein Kompromiss bei der Temperatur.
Sonderfälle: Teppich, Polster und Kleiderhülle
Nicht jeder Befall sitzt im Schrank. Wollteppiche unter Betten und Sofas, Polstermöbel mit Wollbezug und Filzunterlagen sind ebenso betroffen und werden regelmäßig übersehen, weil dort niemand sucht. Rück die Möbel ab und sauge die Fläche darunter gründlich ab, mit besonderer Aufmerksamkeit für die Teppichkante an der Wand.
Kleiderhüllen aus Stoff sind ein zweischneidiges Mittel: Sie halten Motten nicht ab, weil sie nicht dicht schließen, sorgen aber dafür, dass das Stück ungestört hängt – genau die Ruhe, die Larven brauchen. Wenn du Wolle langfristig lagerst, nimm dicht schließende Boxen oder Vakuumbeutel und leg die Sachen sauber hinein, nicht getragen.
Schritt 5: Kontrolle statt Hoffnung
Häng eine Pheromonfalle in den Schrank, bevor du wieder einräumst. Sie fängt paarungsbereite Männchen und zeigt dir damit, ob noch etwas läuft – ohne sie merkst du einen Rückfall erst am nächsten Loch. Notiere die Fangzahl wöchentlich; bleibt die Falle über vier Wochen leer, war die Aktion erfolgreich.
Wer keine Chemie einsetzen will, kann zusätzlich mit Schlupfwespen arbeiten. Sie parasitieren die Motteneier, müssen dafür aber laut Umweltbundesamt über rund viereinhalb Monate bis zu sechsmal erneuert werden – eine Karte für zwei Wochen bringt nichts. Wie das praktisch abläuft, steht in Schlupfwespen gegen Kleidermotten.
Schritt 6: Nach vier Wochen wiederholen
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Maßnahmen über mehrere Wochen wiederholt werden sollten. Der Grund ist derselbe wie bei anderen Insekten: Einzelne Eier und Puppen überstehen die erste Runde, weil sie in einer Ritze saßen oder im Kern eines Kleidungsstapels lagen. Plan deshalb einen zweiten Durchgang ein – Fallen kontrollieren, Schrank erneut aussaugen, auffällige Stücke nochmals behandeln.
Räumst du danach dauerhaft ein, hilft die Vorbeugung: dicht schließende Boxen für selten getragene Wolle, regelmäßiges Bewegen der Sachen, sauber einlagern statt getragen. Die Details stehen in Kleidermotten vorbeugen. Beschädigte Stücke musst du übrigens nicht wegwerfen – wie du Löcher schließt, steht in Mottenlöcher im Pullover.
Übersicht: Diese Seite gehört zum Ratgeber Feuchtigkeit und Schädlinge – dort steht, welche Arten auf zu feuchte Räume hinweisen.