Eine Kakerlake in der Küche erkennst du an drei Dingen: flacher, ovaler Körper, lange schnurförmige Fühler und ein blitzschnelles Wegrennen ins Dunkle, sobald Licht angeht. Welche Art es ist, verrät die Größe – 14 bis 16 Millimeter und hellbraun deutet auf die Deutsche Schabe, 28 bis 30 Millimeter und fast schwarz auf die Orientalische Schabe. Diese Unterscheidung ist keine Spielerei: Sie entscheidet darüber, wo die Tiere sitzen und welche Bekämpfung überhaupt wirkt.
Die vier Arten, die in Deutschland in Gebäuden vorkommen
Nach Angaben des Umweltbundesamts haben sich in Deutschland vier Schabenarten in Innenräumen etabliert. Zwei davon triffst du in Wohnungen praktisch immer, die anderen beiden sind seltener und eher in beheizten Großgebäuden zu Hause.
| Art | Größe | Aussehen | Wo du sie findest |
|---|---|---|---|
| Deutsche Schabe | 14–16 mm | hellbraun, lange schnurförmige Fühler | Küche, hinter Kühlschrank und Herd |
| Orientalische Schabe | 28–30 mm | dunkelbraun bis schwarz | Keller, Waschküche, Heizungsraum |
| Amerikanische Schabe | 26–38 mm | rotbraun | Großküchen, Kanäle, Gewächshäuser |
| Braunbandschabe | 10–15 mm | hell- bis dunkelbraun mit Querbändern | warme Räume, auch abseits der Küche |
Deutsche Schabe oder Orientalische Schabe?
Der Größenunterschied ist so deutlich, dass du keine Lupe brauchst. Die Deutsche Schabe ist etwa so lang wie ein Fingernagel breit ist, die Orientalische fast doppelt so groß. Farblich liegt die eine bei hellem Karamellbraun mit zwei dunklen Längsstreifen auf dem Halsschild, die andere bei tiefem Dunkelbraun bis Schwarz ohne Zeichnung.
Praktisch wichtiger ist der Fundort. Die Deutsche Schabe braucht Wärme und bleibt deshalb in der Küche, dicht an Kühlschrankkompressor, Herd, Spülmaschine und Kaffeemaschine. Die Orientalische Schabe kommt mit kühleren, feuchteren Bedingungen zurecht und sitzt eher im Keller, in der Waschküche oder am Bodenablauf. Findest du Tiere im Keller, ist der Weg nach oben oft der Rohrschacht – dann lohnt ein Blick in Feuchtigkeit und Schädlinge, weil dieselbe Nässe auch andere Arten anzieht.
Womit Kakerlaken oft verwechselt werden
- Waldschaben. Sie kommen im Sommer durchs offene Fenster oder ans Licht auf dem Balkon, sind schlank, hellbraun und fliegen. Waldschaben vermehren sich in der Wohnung nicht und verschwinden von selbst – ein einzelnes Tier im Juli ist fast nie ein Befall.
- Käfer. Wer harte, gewölbte Deckflügel sieht, hat einen Käfer vor sich. Schaben wirken flach und ledrig, die Flügel liegen glatt auf.
- Silberfische. Deutlich kleiner, silbrig, mit drei Schwanzfäden und ganz ohne Deckflügel. Zur Abgrenzung: Silberfische und Papierfischchen unterscheiden.
- Kellerasseln. Grau, gepanzert, träge – Asseln laufen nicht schnell weg und rollen sich bei Störung eher zusammen.
Spuren, die du ohne das Tier findest
Schaben sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber gut. Das Umweltbundesamt weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass das volle Ausmaß eines Befalls häufig erst spät bemerkt wird. Suche daher nach Spuren statt nach Tieren:
- Kot in Form schwarzer Krümel, die aussehen wie grob gemahlener Pfeffer – typischerweise auf Schrankböden, in Ecken und an Scharnieren.
- Geruch: ein süßlich-muffiger, leicht modriger Duft, der bei stärkerem Befall im ganzen Raum hängt.
- Häutungsreste, hauchdünne, hellbraune Hüllen, die zerfallen, sobald du sie anfasst.
- Eipakete (Ootheken), braune, kapselförmige Gebilde von wenigen Millimetern, oft in Ritzen geklebt.
- Fraßspuren an Papier, Leder und Klebstoff. Schaben sind nicht wählerisch und gehen auch an Nichtlebensmittel.
Der Nachttest: einmal um zwei Uhr Licht an
Wenn du dir nicht sicher bist, hilft eine simple Kontrolle. Geh nachts zwischen ein und drei Uhr in die dunkle Küche und schalte das Licht schlagartig ein. Schaben, die auf Nahrungssuche sind, laufen dann sichtbar auseinander. Findest du dabei mehrere Tiere gleichzeitig, ist der Bestand bereits groß – die Faustregel des Umweltbundesamts lautet: Wo eine Schabe gesichtet wurde, sind noch viele mehr.
Ergänzend kannst du Klebefallen ohne Wirkstoff aufstellen, jeweils an der Wand entlang und in Ecken, denn Schaben laufen mit Körperkontakt an Kanten. Notiere über eine Woche, wo wie viele Tiere kleben. Das zeigt dir, welcher Raum der Ausgangspunkt ist – eine Information, nach der jede Fachfirma als Erstes fragt.
Einzelnes Tier oder echter Befall?
Nicht jeder Fund bedeutet einen Befall, aber die Unterscheidung läuft anders, als die meisten vermuten. Entscheidend ist nicht die Zahl der Tiere, sondern die Art und der Ort. Eine schlanke, fliegende Schabe im Juli auf dem Balkon ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Waldschabe, die sich in der Wohnung nicht vermehrt. Eine hellbraune, 15 Millimeter lange Schabe nachts hinter dem Kühlschrank ist dagegen fast immer die Spitze eines bestehenden Bestands, selbst wenn du nur dieses eine Tier gesehen hast.
Der Grund liegt in der Lebensweise: Schaben mögen es dunkel, warm und feucht und verlassen ihr Versteck nur zur Nahrungssuche. Was du am Tag siehst, ist deshalb nie der Bestand, sondern der Überlauf. Findest du zusätzlich Kotkrümel oder Häutungsreste, kannst du die Frage als geklärt betrachten und direkt zur Behandlung übergehen.
Warum die Artbestimmung über die Bekämpfung entscheidet
Das Umweltbundesamt rät, die Bekämpfung einer Fachfirma zu überlassen, und nennt dafür drei Gründe: Die Art muss bestimmt werden, die Verstecke sind schwer zugänglich, und bei der Deutschen Schabe gibt es inzwischen Populationen, die Glucose meiden – sie nehmen handelsübliche Gelköder schlicht nicht auf. Wer bei so einem Stamm monatelang Gel spritzt, wundert sich, warum nichts passiert.
Dazu kommt das Gesundheitsrisiko: Auf Schaben wurden rund 40 Bakterienarten nachgewiesen, die Krankheiten beim Menschen auslösen können, darunter Salmonellen. Auch Viren, Pilzsporen und Allergien gehen auf ihr Konto. Das ist der Unterschied zu Silberfischen oder Fruchtfliegen und der Grund, warum bei Schaben niemand abwarten sollte.
Was du nach dem ersten Fund tust
- Tier fotografieren und mit einer Münze als Größenvergleich ablichten, bevor du es entfernst. Das erspart später die Diskussion über die Art.
- Im Mietshaus den Vermieter informieren. Schaben wandern über Rohrschächte zwischen Wohnungen, eine Behandlung nur bei dir bleibt wirkungslos.
- Lebensmittel in dicht schließende Behälter umfüllen, Tierfutter nachts wegräumen, Spüle trocken wischen.
- Nicht wild sprühen. Kontaktsprays treiben die Tiere tiefer in die Ritzen und in Nachbarwohnungen, statt den Bestand zu verkleinern.
Wie es danach weitergeht, steht in Kakerlaken bekämpfen. Woher die Tiere überhaupt kamen, klärt Woher kommen Kakerlaken?, und was der Vermieter zahlen muss, steht in Kakerlaken in der Mietwohnung.
Übersicht: Diese Seite gehört zum Ratgeber Schädlinge in Küche und Vorrat – dort steht jede Art mit ihrem typischen Befallsort.